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AD(H)S und Endlich ein Erfolgserlebnis

AD(H)S und endlich ein Erfolgserlebnis

Hallo,
ich möchte an dieser Stelle eine positve Geschichte veröffentlichen und hoffe, dass eventuell dadurch auch anderen ADS Kinder geholfen werden kann. Ich bin Mutter von 2 Kindern (Sohn jetzt 13 Jahre / ADS wurde vor 6 Jahren diagnostiziert) (Tochter 15 Jahre / alles in Ordnung)

erziehung

Vor einem Jahr ist bei uns zu Haus und in der Schule alles eskaliert. Mein Sohn hatte einen absoluten Leistungsabfall, machte alle Klappen zu, sein Sozialverhalten war die reinste Katastrophe und weder die Lehrer noch wir als Eltern wussten keinen Rat mehr.

– Arbeitsverhalten Note: 5
– Sozialverhalten Note: 5

andere Fächer schwacher 4 er und 3er Note
…. und eine 5 in Biologie

Es war ein Desaster und alle wieder mal am Ende.

Folgende Gedanken gingen mir durch den Kopf:

Wenn er sich mehr im mündlichen beteiligt, bekommt er mehr von Unterricht mit, stärkt seine Konzentration, schreibt bessere Noten und bekommt das so wichtige „Lob“ von Lehrern und auch von seiner Familie.

Dieses zu erreichen geht natürlich nur in Zusammenarbeit mit den Lehrern und somit kam die Idee einen Hausaufgaben Zettel zu entwerfen.

Jetzt werden viele sagen …. aber dafür gibt es doch das Hausaufgaben Heft. Das ist auch richtig aber kennen Sie auch die Problematik von dem Hausaufgaben Heft ?

– Aufgrund der Größe des Heftes war dieses öfters bei meinem Sohn abhanden gekommen.

– wenn er es nicht schnell genug im Unterricht gefunden hat, notierte er sich die Hausaufgaben nicht und vergaß die Hälfte.

– wenn er sich die Hausaufgaben aufgeschrieben hatte, war die Schrift aufgrund der sehr kleinen Zeilen so schlecht, dass er zu Hause seine eigenen Notizen nicht mehr lesen konnte.

Die Lehrer schrieben sehr oft Notizen in das Hausaufgabenheft.

– Die Lehrer schrieben sehr oft Notizen in das Hausaufgabenheft. Diese kamen zum größten Teil erst gar nicht bei mir an, weil entweder das Heft verschwunden war oder die Seite von meinen Sohn herausgerissen worden ist.

Folgende Ziele habe ich nach knapp einen Jahr erreicht:

– Arbeitsverhalten und Sozialverhalten Note: 3

– alle anderen Fächer Note 3 (bedingt auch durch die gute Mitarbeit im Unterricht)

– mein Sohn hat gelernt sich im Unterricht besser zu konzentrieren

– mittlerweile wenden die Lehrer (Realschule) auch dieses Prinzip erfolgreich bei anderen Schülern mit einer Konzentrationsschwäche an.

Die Funtionsweise:
Der erste Gedanke war, dass ich das Hausaufgabenheft komplett abschaffe und dieses Heft durch einen Hausaufgaben Zettel ersetze.

Mein Sohn bekommt jeden Tag einen Zettel mit in die Schule für den er auch verantwortlich ist.

Der Zettel ist eine Din A 4 Seite, also groß genug um für 6 Unterrichtsfächer übersichtlich seine Hausaufgaben zu notieren. Zusätzlich wird für jeden Tag die Mitarbeit von den Lehrern anhand Smileys bewertet. Somit bekommen auch Sie als Eltern einen täglichen Bericht, wie Ihr Kind sich in der Schule verhält oder auch mitarbeitet, können Schwierigkeiten schneller erkennen und eingreifen.

Folgende Vereinbarungen traf ich mit meinen Sohn (Dieses ist natürlich jedem freigestellt)

Wir hatten ein sehr ruhiges Gespräch und dabei überreichte ich ihm meinen Hausaufgaben Zettel und besprach folgendes nach dem Prinzip “ Du gibts mir , ich gebe Dir “ mit ihm:

Als erstes teilte ich ihm mit, dass ab heute absoluter „Bildschirmverbot“ sei. Das heißt kein Fernsehen, keine Playstation, kein Computer. Im gleichem Atemzug gab ich ihm die Option sich dieses aber täglich durch eine gute Mitarbeit zu verdienen. Wenn er mir täglich 3 gute Bewertungen (3 Smileys) mit nach Hause bringt, kann er ab 19:00 Uhr die Bildschirme wieder nutzen…. bringt er mir 4 gute Bewertungen nach Hause kann er bereits ab 18:00 Uhr die Bildschirme nutzen. Erstaunlicher Weise verstand er dieses Prinzip auf Anhieb, blieb sehr ruhig und erklärte sich damit einverstanden.

Des Weiteren teilte ich meinem Sohn mit, dass alle Hausaufgaben auf diesen Zettel aufgeschrieben werden und jeweils von dem zuständigen Lehrer abgezeichnet werden. Auch wenn er in einem Fach keine Hausaufgaben auf hat, ist dieses vom Lehrer abzuzeichnen. Hier nörgelte er zwar, weil er mit dem Zettel jedesmal zum Pult gehen muss, erklärte sich aber auch damit einverstanden.

Vergisst er den Zettel egal wo auch immer, Bildschirmverbot. Er alleine ist verantwortlich für diesen einen Zettel.

Die Hausaufgaben musste er mir täglich vorlegen und ich habe diese mit dem Zettel auf Vollständigkeit verglichen. Wenn ich die Schrift nicht lesen konnte, musste er die Hausaufgaben nochmals machen. Somit lernete er von Zeit zu Zeit seine Hausaufgaben ordentlicher zu gestalten.

Der erste Tag mit dem Hausaufgaben Zettel

Ich muss gestehen, dass ich ziemlich aufgeregt war. Ich hatte vorher nicht mit den Lehrern darüber gesprochen und hoffte, dass sie einfach mitmachen würden.

14:00 Uhr mein Sohn kam von der Schule nach Hause und hatte Tränen in den Augen. Ich fragte ihn was los sei und er antwortete, dass der Zettel nicht da sei und er heute 4 Smileys von den Lehrern bekommen hat. Ich merkte anhand seiner Reaktionen, dass er mir die Wahrheit erzählte konnte aber jetzt schon am ersten Tag die aufgestellten Regeln nicht brechen. Somit sagte ich zu ihm “ kein Zettel, kein Bildschirm“. Gleichzeitig merkte ich im Gespräch, dass ihn das Bildschirmverbot egal war, sondern er uns nur die 4 guten Bewertungen zeigen wollte. Er zog sich seine Inliner an, teilte mir mit, dass er zurück in die Schule fährt und den Zettel holt. (die Schule liegt 4 Kilometer entfernt). 1 1/2 Stunden später war er mit dem Zettel und seinen 4 Smileys wieder da.

Von diesen Tag an wusste ich, dass ich eventuell mit diesem Zettel die Leistungen meines Sohnes verbessern kann. Allein die Tatsache, dass er am ersten Tag von 4 Lehrern aufgrund seiner Bemühungen ein Lächeln bekommen hat war für ihn viel wert. Ab diesem Tag hat er nie wieder seinen Zettel vergessen.

Was habe ich nach knapp einem Jahr erreicht ?

– mittlerweile bringt mir mein Sohn durchschnittlich zwischen 4 und 5 gute Bewertungen mit nach Hause. Das heißt hierduch hat sich die mündliche Note bei den Lehrern deutlich verbessert.

– durch die mündliche Mitarbeit fällt es ihm leichter und schneller seine Hausaufgaben zu machen.

– dadurch haben sich auch seine schriftlichen Noten verbessert.

– Er schwätzt nicht mehr viel und ist deutlich weniger abgelenkt weil er sich auf den Unterricht konzentrieren will.

– Beschwerden der Lehrer sind deutlich zurückgegangen.

– Mein Sohn bekommt mehr Lob durch die Lehrer.

– andere Kinder wenden sich ihm wieder zu.

Hallo anna77,
das klingt ja wirklich gut – und es ist schön, wenn wir über das Forum auch Anregungen bekommen.
Leider habe ich bei uns in Schulen schon oft die Erfahrung machen müssen, daß die Lehrer nicht bereit waren, bei ähnlichen Aktionen mitzuwirken. Vor allem bei Jugendlichen kam schnell der Satz: „für sowas habe ich keine Zeit und der Jugendliche muss das in dem Alter selber schaffen“.
Toll, wenn Du andere Erfahrungen damit gemacht hast.

Da ich ADS-Elterntrainerin bin, würde ich gerne diese Idee auch bei Trainings einbringen – ist das möglich?

Ach ja – wenn ich den zweiten Bogen – den für Jugendliche, ausdrucken möchte, lande ich immer beim Smileybogen…

Viele Grüße und weiterhin so viel Erfolg,
Lilalu

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